Fachartikel

09.02.2015

Ein flexibles Beschäftigungs­modell mit hohem Chancenpotenzial: Der Interimsmanager

Das Interimsmanagement ist, so definiert es der 2003 gegründete Verein DDIM – Dachgesellschaft Deutsches Interim Management, ein „eigenes Angebotssegment im Markt der Management Dienstleistungen: Führungspositionen, die nur für begrenzte Zeit besetzt werden (wenn Manager ausfallen, erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen oder für eine temporäre Aufgabe die notwendigen Kompetenzen im Unternehmen nicht zur Verfügung stehen).“

 

Tätig sind in der Branche selbständige Interimsmanager, professionelle Vermittlungsagenturen und Zusammenschlüsse von Interimsmanagern. Ursprünglich während der 1970er Jahre in den Niederlanden entwickelt, übernahm die britische Wirtschaft während der Thatcher Jahre in den 1980ern dieses flexible Beschäftigungsmodell. In Deutschland beschränkte sich das Interim-Modell lange Zeit auf Führungspositionen. Dies hat sich mittlerweile geändert.

 

Immer häufiger wird erkannt, dass ein Interimsmanager durch seinen Blick von außen einem Unternehmen wichtige Impulse geben kann. Er kann kurzfristig und flexibel handeln, unbeeinflusst durch eine möglicherweise vorhandene interne Firmenkultur, bei der ungeschriebene Gesetze eine echte, nachhaltige Transformation verhindern.

 

Ganz nach Bedarf des Unternehmens und seiner Situation sind dabei verschiedene Modelle der Zusammenarbeit denkbar. Interimsmanager können sowohl kurzfristig agieren, aber auch über einen längeren Zeitraum für Erfolg sorgen. Fehlen dem Kunden Ressourcen (oder möchte er sie aus welchem Grund auch immer erst gar nicht aufbauen), so unterstützen sie auch über Jahre hinweg, kontinuierlich oder auch phasenweise. Die Kollaborationen können ebenso unterschiedlich sein wie die Notwendigkeiten es diktieren. So vermögen erfahrene Interimsmanager mit einem Team selbst von Juniorberatern Organisationen zu wahrer Größe zu verhelfen. Denkbar sind auch Konstellationen, bei denen interne Abteilungen von außen gesteuert werden.

 

Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte ist die Position des Interimsmanagers in Europa stark angewachsen, allerdings in unterschiedlichem Tempo. 2011 konstatierte die Vermittlungsagentur Executives Online in einem Jahresbericht, dass in Großbritannien diese Form der befristeten Beschäftigung von Managern von „wenigen Tausend“ im Jahr 2000 auf 100.000 im Jahr 2011 angewachsen war. Auch dass das Interimsmanagement im Vereinten Königreich sowie in den Beneluxländern zu einer etablierten Arbeitsmethode gehöre, während im Süden Europas und im asiatisch-pazifischen Raum das Konzept noch in den Kinderschuhen stecke, dort aber stark im Kommen sei.

 

Wandel

Doch hat sich in den letzten 15 Jahren die Rolle des Interimsmanagers gewandelt. Immer komplexer werden die Anforderungen. Von der einfachen Zwischenlösung bis hin zu Change-Verantwortung liegen die Einsatzgebiete im Bereich von Vorstand, Projektmanagement (mit IT und ohne) und Produktion bis hin zu Marketing, Vertrieb, Logistik und Finanzen. Gerade bei Change-Vorhaben und Re-Strukturierung leisten die Interim-Manager Erstaunliches. Oftmals entstehen durch Re-Organisationen Lücken, die nur ein Interimsmanager ausfüllen kann. Da er auf Projekterfolg hin arbeitet und nicht, um die interne Karriere voranzutreiben oder „Dienst nach Vorschrift“ abzusitzen, erfahren Projekte mit einem Interimsmanager eine ganz andere Dynamik. Gerade jüngere Interimsmanager sind hoch motiviert, sehen sie doch die Chance sich zu profilieren (und akquiriert zu werden) und/oder sich einen guten Namen zu machen (in Hinblick auf weitere Projekte im Unternehmen oder in der Branche).

 

Waren es früher Vakanzen, die kurzfristig besetzt werden mussten, ist nun vor allem professionelles Projektmanagement gefragt. Früher suchten hauptsächlich Mittelständler temporäre Hilfe, heute dagegen auch Konzerne. Speziell das konkrete Mit-Tun ist gefragt, weniger das Theoretisieren oder gar ein autoritärer Führungsstil. Die Hilfe wird vor allem im Bereich der Integration von neuen Technologien gebraucht. Unternehmen haben kaum die Ressourcen, um sich permanent an die immer rasanteren Technologiezyklen anzupassen und dabei stets das passende Personal anzuheuern. Der Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP) schreibt auf seiner Website: „Die Profile mit der höchsten Nachfrage liegen im mittleren/oberen Kaderbereich, bei Abteilungs- oder Bereichsleitern, wie Leiter Operations, Controllern, Vertriebs und Marketingspezialisten.“

 

Ausblick

Die zunehmende Vergabe zeitlich befristeter Verträge ist ein Geschäftsmodell, das sich mit der fortschreitenden Umgestaltung der Ökonomie nach neo-liberalen Kriterien vollzogen hat und vollzieht. Auch neigen Unternehmen mit zunehmend finanziell eingeschränktem Rahmen dazu, sich für zeitlich überschaubare Beschäftigungsmodelle zu entscheiden. Dies gilt zum einen für ihre Beschäftigten im Produktionsbereich wie im Management. Zog man zeitlich begrenztes Personal zunächst nur in der Führungsetage in Betracht, steht seit einigen Jahren auch das mittlere und untere Management für den Interim-Einsatz zur Disposition.

 

Das bietet zum einen finanzielle Chancen, weil sich die Anstellung schnell beenden lässt, der Einsatz dagegen effektiv, auf den Punkt gebracht, zu Lösungen führt. Zudem können die Interimsmanager durch ihren ungetrübten Blick auf die internen Organisationsabläufe Lösungen entwickeln, die ungeahnte Richtungen weisen. Sie bringen als externe Mitarbeiter einen ganz anderen Geist ins Team, da sie neue Prozesse und neue Unternehmenskulturen deutlich schneller leben. Interimsmanager geben der Transformation ein Gesicht und hauchen Change Leben ein. Im gegenwärtigen ökonomischen Klima und dem Wunsch nach möglichst weitreichender Flexibilität bei der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen wird die Rolle des Interimsmanagements daher auch in Zukunft weiter wachsen.

 

Bitte lesen Sie hier mehr über rechtliche Fragen beim Interimsmanagement...