Literaturempfehlungen

10.07.2014

Vorsicht Elefanten!

„Switch: Veränderungen wagen und dadurch gewinnen!“

Das Bild, das die beiden amerikanischen Autoren Chip und Dan Heath in ihrem Bestseller „Switch: Veränderungen wagen und dadurch gewinnen!“ von der menschlichen Psyche entwerfen, ist von entwaffnender und doch überzeugender Einfachheit.

Die beiden Konfliktparteien des Gehirns, die Ratio und die Emotion, stehen sich häufig im Weg, obwohl sie doch ein und dasselbe wollen. Sie seien wie ein Elefant und sein Reiter, wenn es um Veränderungen, sei es des eigenen Lebens oder des beruflichen Umfeldes, gehe.

 

Der Reiter entspräche dem Willen und der Überzeugung, eine Veränderung sei von Nöten, während der Elefant eher dem Gefühl ähnlich sei, das den Weg des geringeren Widerstands gehe und sich gern von Unannehmlichkeiten ablenken lasse. Die Gebrüder Heath wenden dieses Bild nun an, um in ihrem Buch darzustellen, auf welche Weise sich Veränderungen im Leben oder in der Wirtschaft durchsetzen lassen. Dabei geht es den Autoren nicht um Möglichkeiten, die sich einfach mit reichlich Finanzaufwand und von großen Unternehmen leicht bewerkstelligen lassen. Ihnen liegt an den Möglichkeiten, die sich aus dem Nichts bieten. Wie geht man mit Menschen um, wenn sie sich verändern sollen, wenn man ihr Umfeld (im Betrieb etwa) verändern muss und wenn diese Menschen diese Veränderung gar nicht wünschen oder ihr Ansinnen nicht nachvollziehen. Und schließlich: Wie vereinfache ich den Weg für Elefant und Reiter?

 

Um den Reiter auf die richtige Spur zu bringen, folgen die Autoren zwei wesentlichen Punkten: Finde einen positiven Zugang und entwerfe das wesentliche Vorgehen. Um den Elefanten günstig zu stimmen, müsse man das Gefühl entdecken, die Veränderungen bei einer niedrigen Schwelle ansetzen und schließlich noch Rückendeckung in der Herde zu entwickeln. Um zusätzlich noch den Weg zu ebnen, ist es nötig, die Umwelt in die richtige Richtung zu beeinflussen und die Herde anzuspornen, das Ganze mitzumachen.

 

Um diese Ansätze zu illustrieren, erzählen die Gebrüder Heath viele, ganz unterschiedliche Erfolgsgeschichten nach, die auf den jeweiligen Punkt zutreffen. So illustrieren sie die Zielgerichtetheit einer Veränderung, etwa mit der Geschichte der brasilianischen Bahngesellschaft America Latina Logistica, die 1995 im Zuge von Privatisierungen das marode Bahnnetz im Süden des Landes übernahm und schnell auf solide finanzielle Beine stellte. Oder die Geschichte der Krankenhäuser, die, um Fehldosierungen durch Krankenschwestern erfolgreich zu mindern, eine spezifische Medikamentierungsjacke einführten. So legten sie dar, wie ein Widerstand der Angestellten schließlich durch überzeugenden Erfolg einer Maßnahme in Akzeptanz gewandelt werden kann. Oder Kampagnen in Tansania, die erfolgreich im Kampf gegen Aids bestimmte gesellschaftlich akzeptierte Normen in Frage stellen konnten. Der Optimismus, den die Autoren vermitteln, ist ansteckend – es scheint, als müsse man nur die Formel der Autoren befolgen, dass neben Verstand auch das Gefühl und das ganze Umfeld betrachtet werden müsse und schon sei ein Erfolg für die Einführung von Veränderungen greifbar nahe.

 

Denn: der Mensch ist ein Herdentier. Und folgen erstmal die einen, machen es die anderen bald nach. Zwischen die Geschichten sind immer wieder vergleichbare Kurzfassungen der Geschichten unter dem Obertitel „Die Klinik“ eingefügt. Ein durchaus kurzweilig zu lesendes Buch, das zum Schluss auch noch kurze Hinweise für den Erhalt der positiven Veränderungen gibt und den Inhalt noch einmal knapp in einer Art Anleitung zusammenfasst.

 

Chip Heath, Dan Heath: Veränderungen wagen und dadurch gewinnen! Verlag: Scherz, 2010. 306 Seiten, Preis: Taschenbuch 9,99 Euro